Die Athener riefen und die Alumni kamen. Nein, das ist keine Textstelle aus einem griechischen Epos. Die Athener, das sind Klaus Bigalke, B! Germania, Thomas Pfeiffer, ADB! Germania, Bernhard Frölich und Thomas Nolte, B!Rheno-Markomannia. Und die Alumni, das sind die Ehemaligen der TU Darmstadt. Genauer gesagt, die ehemaligen Couleurstudenten.
Alumini-Netzwerke gehören im angelsächsischen Raum schon immer zum Hochschulwesen. In Deutschland haben die Hochschulverwaltungen erst in jüngster Zeit so richtig erkannt, dass die Ehemaligen einiges zum Wohl und Ansehen ihrer Hochschule beitragen können. Dem Vorbild angelsächsischer Hochschulen folgend, bemühen sich jetzt auch hier zu Lande die Hochschulen, den Kontakt zu ihren Ehemaligen nicht abreißen zu lassen. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Aber man kann sich des Gedanken nicht erwehren, dass dabei vor allem die Hoffnung auf finanzielle Unterstützung durch die Ehemaligen die Triebkraft ist. Amerikanische Hochschulen sammeln regelmäßig Milliarden Dollar ein. Deutsche Hochschulen wären schon mit Millionen zufrieden.
Die Athener hingegen trieb nicht das Geld sondern die Freude auf das Wiedersehen mit Freunden und Bekannten aus der Studienzeit. Und warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Neben nostalgischer Plauderei würde sich dabei auch die Gelegenheit bieten, neue Kontakte zu knüpfen. Was höchstwahrscheinlich in trinkseliger Stimmung entstand, wurde in die Tat umgesetzt und nach über einem Jahr Vorbereitung war es dann soweit.
Zum 1. Athener-Treffen am 20. Oktober 2006 erschienen etwa 100 Teilnehmer in der denkmalgeschützten Otto-Berndt-Halle, die werktags den Studenten als Mensa dient und seit ihrem Umbau auch für Veranstaltungen zur Verfügung steht. Bei der gegenseitigen Begrüßung mit Kaffee und Kuchen war man sich bereits einig, dass diese Veranstaltung ein Erfolg werden würde.
Seine Teil dazu beigetragen hatte sicherlich der Präsident der TU Darmstadt, Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner – der übrigens seit dem 1. März 2007 die Leitung der Deutschen Luft- und Raumfahrt-Gesellschaft DLR inne hat – mit seiner Zusage als Gastredner mitzuwirken. Prof. Wörner berichtete über die Teilnahme der TU Darmstadt an der Excellenz-Initative des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung. Er beleuchtete die zahlreichen Aktivitäten der Darmstädter Forscher, die zwar letztlich nicht mit dem Qualitätssiegel „Elite-Universität“ belohnt worden sind, die aber dennoch zu einer beachtlichen Aufbruchsstimmung geführt hätten. Die Zusammenarbeit bei der Erstellung der Anträge für Graduiertenschulen und Excellenz-Netzwerke hätte die Vernetzung und Kooperation an der TU Darmstadt erheblich gestärkt. „Nun müsse man eben schauen, woher man das nötige Geld bekomme, um die Ideen doch noch Wirklichkeit werden zu lassen“, blickte Wörner optimistisch in die Zukunft.
Eine Möglichkeit wäre ein zahlungskräftiger Alumnus. So war im Februar diesen Jahres zu lesen, dass der Herr Jacobs von der Kaffee-Dynastie vor kurzem die International University Bremen mit 100 Millionen beglückt hat. Zum Dank heißt diese künftig auch Jacobs University Bremen. Schließlich sind Harvard und Stanford auch nach ihren Gönnern benannt. Mal sehen, was die TU Darmstadt für einen Namen bekommen wird. Spaß beiseite, aber das finanzielle Potenzial der Alumni war sicherlich kein unwesentliches Argument für Prof. Wörner auf einem Ehemaligentreffen der Verbindungsstudenten zu erscheinen.
Nach Prof. Wörner hatte Prof. Dr. Thomas Hartmann, Fachbereich Soziologie TUD, das Wort. Er hat bundesweit für Aufsehen gesorgt mit einer Studie, die belegt, dass der berufliche Aufstieg in Deutschland immer noch wesentlich von der sozialen Herkunft abhängt. Der größte Teil der Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft stamme aus der Oberschicht. Nur wenige Abkömmlinge der Arbeiterschicht würden den Weg in das Topmanagement schaffen. Chancengleichheit und Leistungsprinzip gäbe es also nur auf dem Papier. Aber dies sollte nicht sein Thema dieses Abends sein. Prof. Hartmann erläuterte seine Kritik an der Excellenz-Initiative. Eine Bevorzugung der sogenannten Lebenswissenschaften (Medizintechnik, rote Biotechnologie, Pharmazie, Medizin, etc.) sei seiner Meinung nach unverkennbar gewesen. Die DFG als entscheidendes Bewertungsgremium hätte die Leistungen der Ingenieurwissenschaften nicht seiner für die Wirtschaft entsprechenden Bedeutung gewürdigt. Letztlich sei auch die gesamte Fördersumme der Initiative mit 1,9 Milliarden bis 2011 nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein die Elite-Uni Harvard hat 3 Milliarden Dollar zur Verfügung – wohlgemerkt pro Jahr. Und auch in Europa steht beispielsweise die ETH Zürich mit einem Etat von 700 Millionen EUR bei knapp 13.000 Studenten deutlich besser da als jede deutsche Universität. Zum Vergleich: Die TU Darmstadt mit ihren 16.000 Studenten hat ein Jahresbudget von 220 Millonen EUR. Für eine Eliteförderung sei in Deutschland schlichtweg nicht in ausreichendem Maße öffentliches Geld vorhanden. Viel dringlicher wäre die Anhebung der Grundausstattung an allen Universitäten für den Bereich der Lehre. Für die Förderung der Elite sei die Wirtschaft aufgerufen – so wie dies auch im so oft zitierten Nordamerika der Fall sei.
Nachdem die Gastredner nun genug geredet hatten, konnte das Gespräch der Ehemaligen untereinander fortgesetzt werden. Die Organisatoren hatten mit Platzkarten dafür gesorgt, dass keine einfarbige Grüppchenbildung stattfinden konnte und an jedem Tisch eine bunte Mischung verschiedenster Bänder zusammen kam. Selbstverständlich wurde im Laufe des Abends die Sitzordnung gelockert, damit man auch andere „Tische“ kennenlernen konnte.
So kam ein angeregtes Get-Together – wie man neudeutsch sagt – zustande und das bereits sprichwörtliche Netzwerk unter Verbindungsstudenten konnte um etliche Fäden verstärkt werden.
Networking ist „in“. Internetportale - wie z. B. „XING“ (ehemals“OpenBC“) - die geschäftliche Kontakte „anbieten“, sind ungemein erfolgreich. Und in der Tat werden persönliche Netzwerke im privaten und beruflichen Umfeld immer wichtiger. Wir – die wir uns oft unsere angeblichen Seilschaften vorhalten lassen müssen – nutzen unsere Netzwerke aber nicht wirklich gut. Es gibt viele Beispiele, die zeigen wie man es besser machen kann. Diese Athener-Treffen war ein erster gelungener Schritt in die richtige Richtung.
Ich für meinen Teil werte deshalb diese Veranstaltung als durchweg gelungen. Ich konnte Aktuelles über meine Uni hören, neue private und berufliche Kontakte knüpfen und mit ehemaligen Kommilitonen über unsere gemeinsame Studien- und Aktivenzeit schwärmen. Vielen Dank an die Organisatoren, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und uns eine schöne und nützliche Veranstaltung geboten haben. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Aber es gibt ja eine neue Chance am 19. Oktober 2007 (Informationen unter http://www.athener.de). Mal schauen, ob dann die Otto-Berndt-Halle für die Teilnehmermassen noch ausreichen wird oder ob man ins benachbarte Darmstadtium – das neue Kongresszentrum - umziehen muss.
Richard Jordan Z!